Das Eulenprojekt

Das Problem:

 

Viele der in früheren Jahren vorhandenen Brutplätze sind den Schleiereulen heute nicht mehr zugänglich. Eigentlich sind viele Vögel sehr standorttreue Tiere. Wie etwa die Schleiereule, die früher in der Region sehr viel häufiger anzutreffen war. Doch mit dem Verlust der kleinbäuerlichen Strukturen u.a., stehen den selten gewordenen Tieren immer weniger Scheunen oder Kornspeicher als Brutplatz zur Verfügung.

 

Weitere Gründe sind:

  •  Kirchtürme wurden vergittert, um unerwünschte Tauben auszusperren
  • Taubenschläge wurden entbehrlich, verschlossen oder zugebaut
  • Ruinen und alte Gebäude wurden abgerissen
  • Verlust der kleinbäuerlichen Struktur (wie oben schon erwähnt)
  • keine zugänglichen Scheunen
  • keine Kornspeicher

 

Lösung: Wir bauen einen Eulenkasten!

Linkes Bild:

Einflug am Kasten:
Die Öffnung darf nicht eben mit den Boden abschließen, da sich die Jungtiere im Kampf ums Futter hinaus schieben können.

Rechtes Bild:

Öffnung an der Rückseite: Klappe, die nach unten aufgeht. Keine Schwenktüre, die Jungvögel können beim Öffnen herausfallen (Leiter auch schlecht anstellbar)

 

Hier können Sie sich diesen Bau-Plan als PDF-Datei herunterladen

Quadrat mit Pfeil im Dokument ganz oben rechts anklicken

 Anbringung:
Wandinnenseite Richtung Ost oder Nord mit Durchbruch nach außen (siehe Anflugbrett) 

 

Höhe Außenseite:
So hoch wie möglich, jedoch min. 5 m über Grund oder darunter liegenden Gebäuden. 

Einbau im Gebäude:
Am besten geeignet ist die Ost-Wand des Gebäudes (Wind, Regen) unterhalb der nördlichen Dachfläche (Sonnenhitze). Bei Flachdächern oder sehr wenig geneigten Dächern kein Anflugbrett anbringen. (Marder)

Einstreu:

Eine Mischung aus Sägemehl und Blumenerde, (kann auch gebrauchte vom Vorjahr sein), etwas anfeuchten, ca. 2 cm hoch einbringen und etwas festklopfen.

Beide Bilder: Ochsenburg -  Obere Gasse

Erfahrungswerte:
Der oben angeführte Bauplan stellt die Mindestgröße dar.
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß darin bei einer Belegung von mehr als 5 Jungtieren, Bewegungsmangel herrscht. Zudem werden dann die Belüftung und die Verunreinigungen langsam zu einem Problem.

 

Dieses Problem läßt sich einfach lösen, indem man einen größeren Kasten baut, oder einen Verschlag, in dem sich die Tiere frei bewegen können. Dem bereits angesprochenen Futtermangel im Winter kann begegnet werden, wenn man die Möglichkeit hat im Winter Säcke mit minderwertigem Getreide in der Scheune auszubringen. Dadurch werden Mäuse angelockt, welche den Eulen dann als Nahrung dienen.

Die von uns betreuten Eulenkästen werden allerdings auch oft von Turmfalken belegt.
Da diese jedoch auch zu den heimischen und nützlichen Greifvögeln gehören, stört uns das nicht.

Wie die hier angeführten Statistiken zeigen, werden die 17 von uns betreuten Eulenkästen gut angenommen, und zeigen einen beachtlichen Bruterfolg.

Ihr Ansprechpartner:

Rüdiger Gaa   Tel.:07135 - 931383
Mail:
r.gaa@naturschutz-zaberfeld.de

 



Im März 2009 haben wir am neuen Naturparkzentrum an der Ehmetsklinge einen Eulenkasten montiert, um dieser bedrohten Tierart einen Anreiz zum Brüten zu geben und damit den Bestand an Schleiereulen weiter zu sichern.

 

Wissenswertes über die Schleiereule

Familie:

In Deutschland kommen acht Eulenarten vor: Schleiereule, Waldohreule, Sumpfohreule, Waldkauz,

Raufußkauz, Uhu, Steinkauz und Sperlingskauz. Dabei ist der Uhu die größte und der Sperlingskauz die

kleinste Eule.

 

Körperbau:

Die 33 bis 35 Zentimeter lange, hell gefärbte, langflügelige und langbeinige Eule erreicht eine

Flügelspannweite von bis zu 85 Zentimeter und hat einen recht kurzen Schwanz. Männchen und Weibchen

ähneln einander sehr, Weibchen sind im Allgemeinen jedoch etwas größer. Das Gewicht reicht von etwa 200

Gramm bei den kleinsten Formen (auf den Galápagos-Inseln) und bis zu über 500 Gramm bei der

Nordamerikanischen Schleiereule. Europäische Schleiereulen wiegen zwischen 300 Gramm (Männchen) bis

etwa 400 Gramm (Weibchen). Der namensgebende, ausgeprägte herzförmige Gesichtsschleier ist sehr hell, je

nach Unterart ist er weiß bis hellgrau oder leicht rostrot. Die Oberseite des Körpers ist meist goldbraun mit einer feinen grauen Fleckenzeichnung. Die Unterseite kann von einem sehr reinen Weiß bis zu einem hellen Braun variieren, außerdem unterscheiden sich die Zeichnungen und Fleckungen der einzelnen Unterarten sehr

deutlich voneinander. Der Schnabel ist blaßgelb, die Krallen sind hornfarben, die Iris der Augen ist

dunkelbraun bis schwarz. Die Zehen sind fast unbefiedert und dunkelgraubraun.

 

Verbreitungsgebiet:

Die Schleiereule besiedelt die gemäßigten, subtropischen und tropischen Zonen von Afrika, Europa, Südwest-

und Südasien, Australien, Südamerika und Nordamerika. Sie zählt damit zu den am weitesten verbreiteten Vogelarten überhaupt. In Europa kommt die Schleiereule nordwärts bis Schottland und Dänemark, nach Osten

bis in die Ukraine vor. In Europa und Nordamerika liegt die nördliche Verbreitungsgrenze in Gebieten mit einer Jahresdurchschnittstemperatur zwischen sechs bis acht Grad.

 

Lebensweise und besondere Ausprägung der Organe:

Viele Eulenarten sind dämmerungs- und nachtaktiv, so auch unsere Schleiereule. Eine besondere Konstruktion

des Innenauges gestattet ihr eine sehr starke Auswertung von Restlicht (z.B. Mondlicht). Jedoch genauso

wichtig für die Jagd ist der außerordentlich gut entwickelte Gehörsinn. Die Ohren liegen bei der Schleiereule versetzt (nicht auf gleicher Höhe), außerdem bildet der Gesichtsschleier einen Federtrichter, der den Schall 

durch Aufrichten der Federn zielgerichtet zu den Ohren lenken kann. So wird die Beute durch eine genaue

Peilung ausfindig gemacht. Dazu kommt noch die besondere Ausbildung des Gefieders. Die kammartige

Fächerung der äußeren Schwungfedern und die sehr lockere und weiche Befiederung bewirkt einen fast laut-

losen Flug, der von der Beute kaum wahrnehmbar ist. Zur Beute gehören überwiegend Mäuse, aber auch kleine Vögel und größere Insekten werden gelegentlich verzehrt. Eulen sind “Grifftöter “, die Beute erleidet schon

durch das Eindringen der scharfen Krallen einen Schocktot.

 

Brutverhalten:

Die Schleiereule gilt als Kulturfolger und sucht die Nähe des Menschen, sie nistet mit Vorliebe in Scheunen,

hohen Gebäuden, in Kirchtürmen, Taubenschlägen, Burgruinen und ähnlichen Örtlichkeiten. Das Gelege

besteht im Durchschnitt aus 5 bis 7 Eiern und ist stark abhängig vom Nahrungsangebot. Die Brut dauert 30 bis 32 Tage, die Aufzucht der Jungen weitere zwei Monate bis zum Ausfliegen. Da die Schleiereule vom ersten gelegten

Ei an brütet, sind die Jungvögel auch im Nest unterschiedlich entwickelt. Bei sieben Jungen sind die

Größenunterschiede ganz enorm, sie werden aber bis zum Ausfliegen egalisiert. Gewaltig ist dann auch der Nahrungsbedarf, je nach Entwicklung werden bei 7 Jungen über 20 Mäuse pro Nacht benötigt. Werden mehr gefangen, so wird an einem geeigneten Ort ein Depot angelegt.

 

Problematik:

Viele der in früheren Jahren vorhandenen Brutplätze sind den Schleiereulen heute nicht mehr zugänglich. Kirchtürme wurden vergittert, um unerwünschte Tauben auszusperren, Taubenschläge wurden entbehrlich, verschlossen oder zugebaut, Ruinen abgerissen, Scheunen verdrahtet usw. Außerdem gibt es keine zugäng-

lichen Scheunen mehr mit Kornspeichern und damit mit Mäusen in der Winterzeit. In harten Wintern können die Populationen von Schleiereulen fast völlig zusammenbrechen und brauchen dann Jahre, bis sie sich durch Zuwanderung wieder erholt haben.

 

NVZ:

Der Naturschutzverein betreut inzwischen 17 Schleiereulen-Kästen und es sollen noch weitere angebracht

werden. Siehe auch hier das Projekt "Trafoturm". Wir sind daher ganz besonders auf die Hilfe von Mitbürgern angewiesen, die uns Plätze in geeigneten Gebäuden zur Verfügung stellen können. Wir wollen uns aber auch bei den Landwirten, Pfarrämtern und andern Mitbürgern bedanken, die uns bisher so viel Verständnis entgegengebracht haben.

 

Ihr Ansprechpartner:

Rüdiger Gaa   Tel.:07135 - 931383
Mail:
r.gaa@naturschutz-zaberfeld.de